Studien

T-Zell Studie – Max-Planck-Institut, TU Berlin & Charité (Braun, Drosten)
Datum: 09.04.20
T-Zell Studie - Max-Planck-Institut, TU Berlin & Charité (Braun, Drosten)
Diese Studie wurde schon im April 2020 begonnen und im Sommer veröffentlicht. Sie trifft Aussagen wie: Die asymptomatischen Infizierten sind asymptomatisch, weil sie ein gut funktionierendes Immunsystem haben. Ein Drittel der Bevölkerung verfügt über Kreuzimmunität gegen Sars-CoV-2, die aus früheren Begegnungen mit ‘normalen’ Co­ronaviren entstanden ist. Die schützende zel­luläre Immunant­wort ist äußerst langlebig. Kinder und Jugendliche sind so bemerkenswert widerstandsfähig gegen Corona, weil sie ‘Virenschleudern’ sind. Erwachsene mit einer stabilen Immunantwort haben diese aus einem ‘gewöhnlichen Winterschupfen’ der Vorjahre. Die Herdenimmunität ist schon viel weiter erreicht, als bislang gedacht.

Auszüge aus der Studie:

“Wir ha­ben SARS­-CoV-2 S-reaktive CD4 + T-Zellen bei 83% der Patienten mit COVID­-19, aber auch bei 35% der gesunden Probanden nach­ge­wies­en. [Die] reaktiven T-Zelllinien [sind] wahrscheinlich bei früheren Be­geg­nung­en mit en­de­mi­schen Co­rona­vir­en entstanden. Das Vorhandensein von kreuzreaktiven T-Zellen in einem beträchtlichen Teil der All­ge­mein­be­völk­er­ung kann jedoch die Dyna­mik der aktuellen Pan­de­mie be­ein­flussen.“


“Die begrenzte Verfügbarkeit von Tests und die vorrangige Prüfung sym­pto­matischer Patienten haben wahrscheinlich zu einer erheblichen Un­ter­schätz­­ung der Infektionslast und einer Überschätzung der Sterb­lich­keits­ra­ten geführt.“


“Unsere Daten weisen auf die faszinierende Möglichkeit hin, dass solche bereits vorhandenen reaktive T-Zellen eine Kreuzimmunität darstellen, die wahrscheinlich in früheren Infektionen mit endemischen HCoVs erworben wurden. HCoVs machen ca. ungefähr 20% der Infektionen mit “gewöhnlicher Erkältung“ der oberen Atemwege aus, und sind allgegenwärtig, zeigen aber eine Wintersaisonalität. Basierend auf epidemiologischen Daten kann extrapoliert werden, dass Erwachsene durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre eine HCoV-Infektion durchmachen. Schützende Antikörper dürften mittelfristig schwinden, aber die zelluläre Immunität bleibt wohl bestehen.“


“Unter der Annahme, dass diese Zellen eine schützende Rolle bei der SARS-CoV-2-Infektion spielen, können sie jedoch zum Verständnis der unterschiedlichen Manifestationen von CO­VID-19 und der bemerkenswerten Widerstandsfähigkeit von Kindern und jungen Erwachsenen gegenüber symptomatischen SARS-CoV-2-Infektionen beitragen.“


“In den kommenden Monaten ist es von entscheidender Bedeutung zu verstehen, inwieweit und wie SARS-CoV-2-spezifische humorale oder zelluläre Immunität einen dauerhaften Schutz vor einer erneuten Infektion vermittelt. Unsere Studie zeigt eine bereits vorhandene zelluläre SARS-CV-2-Kreuzreaktivität in einem wesentlichen Anteil der seronegativen SAR von SARS-CoV-2. Dieser Befund könnte erhebliche epidemiologische Auswirkungen auf die Schwellenwerte und Prognosen der Herdenimmunität für die COVID-19-Pandemie haben.“

Originaltext der Zitate:

“We detected SARS-CoV-2 S-reactive CD4+ T cells in 83% of patients with COVID-19 but also in 35% of HD (healthy donors). [Those] cross-reactive T cells, [were] probably ge­ner­ated during past en­count­ers with endemic co­ro­na­vir­uses. However, the presence of S-cross­-reactive T cells in a siz­able fraction of the general population may af­fect the dynamics of the current pandemic.” “However, limited test availability and preferential testing of symptoma­tic patients has likely lead to significant underestimation of infection bur­­den and overestimation of case-fatality rates.” “our data raise the in­triguing possibility that such pre-existing S-reactive T-cells re­pre­sent cross-reactive clones, probably acquired in previous in­fect­ions with en­de­mic HCoVs. HCoVs account for approximately 20% of “com­­mon cold” up­per respiratory tract infections, are ubi­quit­ous, but dis­play a winter sea­sonality. Based on epidemiological data, it may be ex­tra­po­la­ted that adults con­tract an HCoV infection on average every two to three years. Protective antibodies may wane mid-term but cellular im­munity could re­main.” “[…] assuming that these cells have a pro­tect­ive role in SARS-CoV-2 infection, they may contribute to un­der­stand­­ing the di­vergent manifestations of COVID-19, and the striking re­si­lience of chil­dren and young adults to symptomatic SARS-CoV-2 in­fect­ion.” ”Understanding the extent to which and how SARS-CoV-2-specific humoral or cellular immunity mediates durable protection against reinfect­ion is of cri­ti­cal importance in the coming months. Our study reveals pre-exisit­ing cellular SARS­-CV-2-cross-reactivity in a substantial proportion of SARS-CoV-2 seronegative HD. This finding might have significant epi­de­mio­logi­cal im­plications regarding herd immunity thresholds and projections for the COVID-19 pandemic.”

Institut:

Max-Planck-Institut, Technische Universität & Charité, Berlin, Germany - Braun, Drosten et al.

Quelle:

PDF (Volltext der Studie, englisch):